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WORTE Tagesgedanken nach dem Missale - Dom Marmion - |
9. April: Passionssonntag
Das Leiden und die Verherrlichung Christi.
Gottes sehnlichster Wunsch ist, seinen Sohn verherrlicht zu sehen: Clarificavi et adhuc clarificabo, das ist eines von jenen drei Worten, des himmlischen Vaters, die der Welt hörbar erklungen sind.
Er will Jesus verherrlichen, weil dieser als sein Sohn ihm wesensgleich ist.
Auch darum, weil er sich erniedrigt hat. Seipsum exinanivit, — propter quod et Deus exaltavit illum - „er erniedrigte sich selbst, ... darum hat ihn Gott erhöht und ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, auf daß im Namen Jesu sich alle Knie beugen im Himmel, auf Erden und unter der Erde, und jede Zunge bekenne, daß dem Herrn Jesu Christo gleiche Ehre gebührt wie dem Vater.“(1)
Je mehr der Heiland sich erniedrigt, indem er alle mit seiner Würde zu vereinbarenden Schwächen erträgt, gleich einem Verbrecher, cum sceleratis, den Kreuzestod stirbt, den Angriffen der Ungläubigen sich überläßt, um so mehr sollen wir ihn erheben in der Herrlichkeit des Vaters und ihn in unseren Herzen erhöhen und uns in innigster Anbetung und gänzlicher Hingabe ihm schenken, ebenso auch eifrig an der Verbreitung seines Reiches in den Seelen mitarbeiten.
Christus das Leben der Seele, S. 234.
(1) Vgl. die Sonntagsepistel.
Das Leiden, Höhepunkt des Lebens Jesu.
Das Leiden ist der Höhepunkt jenes Werkes, das der Herr auf Erden erfüllen wollte. Es bezeichnet die Stunde, wo er das Opfer vollendet, das dem Vater unendliche Verherrlichung bereiten, die Welt erlösen, der Menschheit die Quellen des ewigen Lebens wieder erschließen sollte.
Den Heiland, der sich ganz und gar dem Willen seines Vaters anheimgegeben hatte, verlangte es sehnsüchtig vom ersten Augenblick seiner Menschwerdung an nach dieser „seiner Stunde“. „Ich habe eine Taufe zu bestehen, und wie drängt es mich, bis sie vollendet ist - Baptismo habeo baptizari et quomodo coarctor usquedum perficiatur“, das war die Bluttaufe seines Leidens. Jesus sehnt die Zeit herbei, da er in die Tiefen des Leidens hinabsteigen und den Tod erleiden kann, um uns das Leben zu schenken.
Er will jedoch dieser Stunde nicht zuvorkommen. Jesus ist bedingungslos dem Willen seines Vaters unterworfen.
Da sie aber schlägt, gibt sich Jesus hin mit dem vollen, heißen Drang seiner Liebe, obwohl er im voraus alle körperlichen und seelischen Leiden kennt, die seiner harren. „Mit großer Sehnsucht habe ich verlangt, dieses Ostermahl mit euch zu essen, bevor ich leide.“
Christus in seinen Geheimnissen, S. 261.
Aufopferung Jesu. Aufopferung und Gebet der treuen Seele.
Auf Kalvaria überläßt Christus, der „kraft des ewigen Geistes sich selbst dargebracht hat“, sich ganz und gar seinen Henkern als Opferlamm für unsere Schuld.
Nichts gereicht so sehr zur Ehre Gottes und ist dem Heile unserer Seelen so förderlich als die unbedingte rückhaltlose Hingabe unserer selbst, vereint mit jener Selbsthingabe des Heilandes in dem Augenblicke, da er sich seinen Henkern zur Entblößung und Kreuzigung überließ, „um uns durch seine Armut den Reichtum aller Gnaden zu verdienen.“
Solche Gesinnung ist ein wirkliches Opfer. Diese Hingabe an den Willen Gottes ist die Grundlage des ganzen geistlichen Lebens.
Damit sie aber vollwertig sei, müssen wir sie mit dem Opfer Jesu vereinen; „denn auf Grund dieses Opfers sind wir geheiligt - In qua voluntate sanctificati sumus.“
0 mein Jesus! Siehe gnädig herab auf dieses Opfer meiner selbst und schließe es ein in jenes Opfer, das du deinem himmlischen Vater dargebracht hast, als du am Ziel deines Marterweges auf Kalvaria angelangt warst. Entkleide mich aller Eigenliebe und aller Anhänglichkeit an die Geschöpfe.
Christus in seinen Geheimnissen, S. 288.
Christus, Erlöser der Welt
Sein freiwilliger Opfertod für unsere Sünde, um durch Sühne und Genugtuung uns das ewige Leben zurückzugeben, das war die Aufgabe, die Christus zu erfüllen hatte, das Ziel, das er erreichen sollte. Gott hat auf ihn, der Mensch war gleich uns, aus dem Geschlechte Adams, jedoch gerecht, unschuldig und ohne Sünde, unser aller Schuld gelegt: Posuit in eo iniquitatem omnium nostrum.(1)
Weil er mit unserer Natur für uns auch unsere Schuld auf sich genommen, hat er auch für uns verdient, daß wir seiner Gerechtigkeit und Heiligkeit teilhaftig werden. Gott hat nach der kraftvollen Ausdrucksweise des hl. Paulus „seinen eigenen Sohn um der Sünde willen und in der Gestalt des Fleisches der Sünde gesandt und in seinem Fleische die Sünde verurteilt.“ Und mit noch größerem Nachdruck sagt er: „Den, der die Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht - Eum, qui non noverat peccatum, pro nobis peccatum fecit.“ Welch eindrucksvolles Wort: peccatum fecit: er hat ihn zur Sünde gemacht! Der Apostel sagt nicht: peccator, zum Sünder — sondern: peccatum, zur Sünde.
Vergessen wir nie, um welchen Preis wir erlöst worden sind!
Christus das Leben der Seele, S. 92.
(1) Vgl. die 2. Lesung der Messe.
Der Heiland hat sich aus Liebe hingegeben.
Es ist vor allem die Liebe zum Vater, die den Herrn drängt, das bittere Leiden auf sich zu nehmen. Es ist aber auch die Liebe zu uns.
Beim letzten Abendmahle, als die Stunde nahte, da er seine Hingabe vollenden wollte, spricht er zu den versammelten Jüngern: „Eine größere Liebe hat niemand, als daß er sein Leben hingibt für seine Freunde.“ Jesus steht im Begriffe, uns den Beweis dieser alles überragenden Liebe zu geben. „Für uns alle ist Christus gestorben“, sagt der hl. Paulus, „als wir noch seine Feinde waren.“ Er hätte uns einen größeren Liebesbeweis nicht geben können.
Immer mehr betont der Apostel, daß „Christus uns geliebt und deshalb sich hingegeben hat“, um unsertwillen. „Aus Liebe zu mir hat er sich geopfert“, sich hingegeben bis in den Tod.
Der Wert dieser Liebe wird ins Unermeßliche gesteigert durch die unbeschränkte Freiheit, womit Jesus Christus sich zum Opfer bringt. „Er ward geopfert, weil er selbst wollte - Oblatus est quia ipse voluit.“ In diesen Worten liegt ausgedrückt, wie sehr Jesus sein Leiden aus eigenstem Antriebe auf sich genommen hat.
Es ist eine durchaus uneingeschränkte Freiheit, womit Jesus sein Leben hingibt, und das ist eine der erhabensten Vollkommenheiten seines Opfers und jener Umstand, der am meisten geeignet ist, unser menschliches Herz mit inniger Rührung zu erfüllen.
Christus in seinen Geheimnissen, S. 257.
Vollendung des Opfers Christi.
Im Opfer Christi ist alles vollkommen, die Liebe, von der es eingegeben, wie auch die Freiheit, mit der es vollbracht wird, vollkommen zumal mit Rücksicht auf die geopferte Gabe: Christus selbst ist es, der sich darbringt. Christus bringt sich ganz und gar zum Opfer. Seelisch und körperlich ist er zerschlagen und zermalmt von Schmerzen. Es gibt kein Leiden, das Christus nicht ertrug.
All die ungeheuren Frevel der Menschen hat er auf sich genommen. Er war mit der Sünde umhüllt wie mit einem Kleide. Im Garten von Gethsemani in seiner schrecklichen Todesangst fühlte er den ganzen gerechten göttlichen Zorn auf sich lasten. Er sah zudem voraus, daß für viele sein Blut nutzlos fließen werde. Und diese Voraussicht machte das Maß der Bitterkeiten, in das seine heiligste Seele getaucht war, voll zum Überfließen.
Er aber nimmt alles auf sich.
Fürwahr, er hat den Kelch des Leidens bis auf die Hefe geleert! Bis zum letzten Jota, bis zur letzten Einzelheit ist alles erfüllt, was von ihm vorhergesagt war, und er darf nun rufen: „Es ist vollbracht - Consummatum est.“ Es erübrigt ihm nur mehr, dem Vater seine Seele zu empfehlen. „Dann neigte er sein Haupt und gab seinen Geist auf.“
„Ich aber will alle an mich ziehen, wenn ich von der Erde erhöhet bin.“
Christus in seinen Geheimnissen, S. 259.
Das Grab Jesu, Bild des Taufbrunnens. Gebet.
Bis ins Grab wollte Christus ein Mensch sein wie wir. „Sie hüllten ihn samt den duftenden Kräutern ein, in leinene Tücher“, sagt der hl. Johannes, „wie es Brauch der Juden beim Bestatten ist.“ Aber der mit dem Worte persönlich vereinte Leib Christi durfte die Verwesung nicht schauen. Nur drei Tage bleibt er im Grabe; dann geht Jesus aus eigener Kraft aus dem Grabe hervor als Sieger über Tod und Hölle, strahlend in Lebensfülle und Herrlichkeit.
Nach den Worten des Apostels sind wir „durch die Taufe auf den Tod mit Christus begraben.“ Das Bad der Taufe ist gleichsam ein Grab, in dem wir die Sünde zurücklassen und aus dem wir zu einem neuen Leben, dem Leben der Gnade, erstehen sollen.
Die sakramentale Gnade der Taufe bleibt allezeit wirksam. Wenn wir uns in Glauben und Liebe mit dem Heiland vereinen in seiner Grabesruh, dann erneuern wir jedesmal diese in der Taufe erhaltene Gnade, nämlich „der Sünde abzusterben, um mehr und mehr zu leben für Christus.“
„Laß mich, o mein Jesus, in dein Grab all meine Sünden, Fehler und Untreue versenken, und gib mir um deines Todes und Grabes willen, daß ich mehr und mehr allem entsage, was mich von dir trennt. In Kraft deiner heiligen Auferstehung verleihe mir, daß ich gleich dir nur mehr lebe zur Verherrlichung deines Vaters.“
Christus in seinen Geheimnissen, S. 291.
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