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WORTE Tagesgedanken nach dem Missale - Dom Marmion - |
26. März: 4. Fastensonntag
Jesus Christus offenbart Seine Göttlichkeit durch Seine Wunder.
Die heilige Eucharistie ist wesentlich ein Geheimnis des Glaubens, „mysterium fidei“. Nur das Auge des Glaubens vermag den Schein der Gestalten zu durchdringen und durch deren verhüllende Schleier die verborgene, göttliche Wirklichkeit zu schauen.
Das erhellt besonders klar, wenn wir im Evangelium die Worte lesen, mit denen der Herr den Juden die heilige Eucharistie verheißen hat. Tags zuvor hatte der Heiland den Beweis seiner Güte und Macht gegeben, indem er Tausende von Menschen mit einigen Broten speiste. Infolge dieses Wunders hatten die Juden erstaunt ausgerufen: „Dieser ist wahrhaft der Prophet, der da kommen soll.“ Von der Verwunderung gehen sie zur Tat über, sie wollen ihn wegführen und zum König machen.
Jesus aber enthüllt ihnen ein noch wunderbareres Geheimnis als das Wunder der Brotvermehrung: „Ich bin das Brot des Lebens, das vom Himmel herabgekommen ist - Ego sum panis vivus, qui de caelo descendi.“
Bei diesen Worten erhebt sich ein Murren unter den Juden. Die Ungläubigkeit ergreift selbst seine Jünger, und viele verließen ihn.
Sprechen wir mit Petrus: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens - Domine, ad quem ibimus ? verba vitae aeterna habes.“
Christus das Leben der Seele, S. 462.
In der Prüfung sich an Gott allein wenden.
Alles führt sich zurück auf den Glauben an Jesus Christus, den ewigen Gottessohn. Der Glaube ist die sichere Grundlage des geistlichen Lebens. Er ist die Wurzel der Rechtfertigung, die wesentliche Bedingung jeden Fortschrittes, das zuversichtlichste Mittel, um zum Gipfel wahrer Heiligkeit zu gelangen.
„Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn dahingab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verlorengehen, sondern das ewige Leben haben.“
So werfen wir uns denn nieder zu den Füßen unseres göttlichen Meisters und sprechen zu ihm: O Christus Jesus, du menschgewordenes Wort! Du bist vom Himmel herabgestiegen, um uns die Geheimnisse zu verkünden, die du als eingeborener Gottessohn immerdar schaust im Schoße des Vaters! Ich glaube und bekenne, daß du wahrhaft Gott bist mit dem Vater und dem Heiligen Geiste. Ich glaube an dich, ich glaube an dein Werk. Ich glaube an deine Person, ich glaube, daß du aus Gott hervorgegangen bist, daß du eins bist mit dem Vater und daß jeder, der dich sieht, auch den Vater schaut. Ich glaube, daß du bist die Auferstehung und das Leben.
Ich glaube! und weil ich glaube, darum bete ich dich an und weihe deinem Dienste mein ganzes Wesen, mein Tun und Lassen, mein ganzes Leben.
Jesus Christus, ich glaube an dich, aber vermehre meinen Glauben!
Christus in seinen Geheimnissen, S. 211.
Einzige Absicht Jesu Christi : Die Suche nach der Ehre seines Vaters.
Der Blick Christi ist immer auf das Angesicht seines himmlischen Vaters gerichtet, und er versichert uns, daß der Vater uns so sehr liebt, daß er seines geliebten Sohnes nicht schonte, sondern ihn für uns hingab. Möge unser Leben immer mehr ein Leben aus dem Glauben, nicht ein Gefühlsleben sein.
Glauben aber heißt: für wahr halten, was Jesus sieht. Er ist der Urheber und die Vollendung unseres Glaubens.
Gewinnen wir den Weg des nüchternen Glaubens recht lieb; er ist so sicher, so bar jeder Selbstsucht und so glorreich für Gott.
Gott verleiht keine Tugend in einem hohen Grade, ohne daß wir um sie gerungen und gelitten hätten. Dies gilt auch vom Glauben, „der Wurzel und dem Fundamente jeglicher Rechtfertigung.“ Es wird uns manchmal scheinen, als hätten wir fast den Glauben verloren, und doch bleibt er ganz und vollkommen im Innersten unserer Seele, gleich einem kleinen, kaum bemerkbaren Pünktchen.
Fühlen wir uns im Verkehr mit Gott ganz trocken, schließen wir dann die Augen unserer Seele und sagen wir in demütiger Anbetung nur ein langes „Amen“ zu allem, was Jesus für uns sagt „in sinu Patris - im Schoße des Vaters.“
Die Gottverbundenheit, S. 153.
Leben aus dem Glauben.
Der Blindgeborene, dessen wunderbare Heilung uns der hl. Johannes bis ins einzelne schildert, ist ein Bild unserer Seele. Durch die Gnade des menschgewordenen Wortes ist sie geheilt, der ewigen Finsternis entrissen und dem Lichte wiedergeschenkt worden.
Wo immer der Herr sich ihr zeigt, soll auch sie sagen: „Quis est, Domine, ut credam in eum? - Wer ist es, Herr, daß ich an ihn glaube?“ Und ohne Zögern soll auch sie sich ganz und gar dem Herrn hingeben, seinem Dienste, der Förderung seiner Ehre, die gleichzeitig die Ehre seines Vaters ist. Dann lebt sie aus dem Glauben; dann wohnt und herrscht Christus in ihr, weil der Glaube an seine Gottheit ihr ganzes Leben beseelt.
Nach dem Ratschluß des himmlischen Vaters ist der Glaube an Jesus Christus die erste Voraussetzung, um am göttlichen Leben teilzunehmen. „Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; wer aber an den Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen ...“
Quelle unseres Heiles ist mithin nach dem Plane Gottes der Glaube an seinen eingeborenen Sohn. Wer dann die Gottheit Christi gläubig anerkennt, der erfaßt gleichzeitig die ganze übrige Offenbarung.
Christus das Leben der Seele, S. 224.
Die barmherzige Güte Christi offenbart die unendliche Liebe Gottes.
Alle Kundgebungen der Milde und Barmherzigkeit des Heilandes, die uns die tiefsten Regungen des menschlichen Herzens enthüllen, rühren das Innerste unseres Gemütes und sprechen in gar verständlicher Sprache von der unendlichen Liebe unseres Gottes.
In Naim begegnet er einer armen Witwe, die weinend der Bahre ihres einzigen Sohnes folgt. Jesus sieht die Frau und hört ihr Weinen. Da wird sein Herz von tiefem Mitleid ergriffen. „Weine nicht!“ spricht er zu ihr, und alsogleich befiehlt er dem Tode, seinen Raub zurückzugeben. „Jüngling, ich sage dir, stehe auf!“ Da richtete sich der Tote auf, und „Jesus gab ihn seiner Mutter.“
Welche Anklage aber ist dieses liebevolle Wesen des Herrn für die Selbstsucht, Härte und kalte Schroffheit unseres Herzens. Wie verdammt es unser gleichgültiges, ungeduldiges, liebloses Benehmen, allen Zorn, Rachsucht und Groll gegen den Nächsten! Nur allzuleicht vergißt man das Wort des Herrn: „Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem der geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“
O Jesus, bilde unsere Herzen nach deinem sanftmütigen und demütigen Herzen. Lehre uns barmherzig sein wie du, damit auch wir Barmherzigkeit erlangen, damit wir, dir folgend, unserem Vater ähnlich werden.
Christus in seinen Geheimnissen, S. 215.
Notwendigkeit des Glaubens an die Gottheit Christi
Die große Aufgabe des Herrn war: der Welt seine Gottheit zu offenbaren! „Er hat Kunde davon gebracht.“ Seine gesamte Lehre, all seine Werke und Wunder dienen dem einen Zweck, diese Wahrheit dem Geiste seiner Zuhörer einzuprägen.
Man denke z. B. an das Wunder der Erweckung des Lazarus. Bevor er seinen Freund ins Leben zurückruft, richtet Christus seine Augen gen Himmel und spricht: „Vater, ich danke dir, daß du mich erhörst, aber wegen des umherstehenden Volkes habe ich es gesagt, damit es glaube, daß du mich gesandt hast - Ut credant quia tu me misisti.“
Freilich gibt der Herr diese Wahrheit nur nach und nach kund und zu verstehen; aber in wunderbarer Weise läßt er alles auf diese Offenbarung seiner göttlichen Sohnschaft hinzielen.
Am Ende seines Lebens jedoch, als die aufrichtig denkenden Gemüter hinlänglich vorbereitet waren, trägt Jesus kein Bedenken mehr, vor den Richtern seine Gottheit zu bekennen, obgleich er dadurch sein Leben verwirkte. Er ist der König der Märtyrer, aller jener nämlich, die mit ihrem Blute den Glauben an seine Gottheit bezeugt haben. Er ist der erste, der den Tod erlitt, weil er sich als den Sohn Gottes bekannt hat.
Christus in seinen Geheimnissen, S. 210.
Jesus Christus, Offenbarung des göttlichen Lichtes.
„Gott ist Licht; in ihm ist keine Finsternis“, sagt der hl. Johannes.
Dieses Licht aber, das alles Geschaffene mit seiner Klarheit umflutet, verhüllt Gott vor den Augen unserer Seele, anstatt es uns zu offenbaren. Gleichwie wir nicht unverhüllten Auges den Glanz der Sonne ertragen, so kann auch kein Sterblicher Gott schauen.
Dennoch aber ist dieses Licht das Leben unserer Seele, denn wenn der Heiland auch sagt: „Ich bin das Licht der Welt“, so fährt er gewiß nicht zufällig, sondern absichtlich fort: „Wer mir nachfolgt, wandelt nicht im Finstern, sondern hat das Licht des Lebens.“
Dieses göttliche Licht, das in seiner unendlichen Helle schwache Augen blendet, hat sich darum unter Menschengestalt verborgen. Christus ist Gott, der sich zu uns herabläßt und ein wahrhaft menschliches Dasein führt.
Wer immer jedoch guten Willens ist, dem leuchtet es aus dieser Menschengestalt, gleichsam wie Sonnenstrahlen, die die Gottheit offenbaren. Die gläubige Seele erkennt das Licht, das unter dem Vorhang des Allerheiligsten seinen Glanz verbirgt. In diesem sterblichen Menschen, der da genannt wird Jesus, erkennt der Glaube Gott selbst, und da er Gott findet, labt er sich an der Quelle des Lichtes, des Heiles und des unvergänglichen Lebens.
Christus in seinen Geheimnissen, S. 137.
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