Rundbrief Nr.68
- September 2005 -
Liebe Freunde und Wohltäter !
In einigen Wochen haben wir die große Freude, den hundertsten Geburtstag von Erzbischof Marcel Lefebvre zu feiern, unseres verehrten Gründers. Welch außergewöhnliche Gestalt ist doch dieser unermüdliche Missionar! Missionar zuerst in Afrika, um dort das Evangelium zu verkünden, danach Missionar in Europa und in der ganzen Welt, damit dort der katholische Glaube in seiner Vollständigkeit erhalten bleibe. Gerne würden wir an dieser Stelle an seine wunderbare Persönlichkeit erinnern, an seine großen Tugenden, die Erzbischof Lefebvre sein ganzes Leben hindurch beseelt haben. Doch im Kontext der Audienz, die wir Ende August bei Papst Benedikt XVI. hatten, begnügen wir uns, auf einen Text hinzuweisen, der nicht nur für die Weisheit und für die Tiefenschärfe unseres Gründers spricht, sondern auch die Leitlinie seines Handelns bezeichnet, so dass wir sie ganz zu der unseren machen. 1966, also ein Jahr nach Beendigung des Konzils, beantwortete Erzbischof Lefebvre die Fragen zur Situation in der Kirche, welche Kardinal Ottaviani, der Präfekt des Heiligen Offiziums, gestellt hatte. [Als Zitat folgt nun der Brief des Erzbischofs an Kardinal Ottaviani. Diesen Brief finden sie vollständig abgedruckt in der Oktobernummer 2005 - Nr.322 des MB] Damit ist alles gesagt und auch heute braucht man dieser beachtenswerten Analyse über die logischen Folgen des Konzils nichts hinzufügen und nichts wegnehmen. Denn sie reicht von den Reformen, die sich bereits ankündigten, bis zur Schwere der Krise, welche die Kirche ereilt hat und die sie noch immer nicht überwindet, weil sie Gefangene gerade jener Prinzipien ist, mit welchen das Konzil und die Päpste die Krise entfesselt haben.
Wir sind wirklich überzeugt: die Lösung des Problems, welches die Bruderschaft Rom gegenüber darstellt, ist zutiefst an die Überwindung der Krise geknüpft, welche die Kirche heimsucht. An dem Tag, wo die Autoritäten wieder mit Wohlwollen und Hoffnung auf die Vergangenheit und auf die Tradition der Kirche schauen, werden sie auch den Bruch überwinden können, welcher durch das Konzil entstanden ist. Und ebenso werden sie sich mit den ewigen Grundsätzen versöhnen können, welche die Kirche während 0 Jahrhunderten auferbaut haben. Dann also wird es kein „Problem“ mehr mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. geben...
Darin liegt der Grund für unsere Diskussionen mit dem Heiligen Stuhl; da liegt das eigentliche Problem. Die Neue Messe und das Konzil sind nur die Spitze des Eisberges, der das Schifflein der Kirche getroffen hat. Der Geist des Konzils stammt aus dem Liberalismus und dem Protestantismus, ja letztlich aus diesem Aufstand gegen Gott, der die Menschheitsgeschichte bis ans Ende der Zeit charakterisiert. Worin soll der Sinn für ein Abkommen sein, das gerade darin bestünde, vom Eisberg ramponiert zu werden?
Für alle Ihre Gebete und die großherzigen Opfer sei Ihnen herzlich gedankt. Sie sind uns wirklich kostbar, denn bei unseren Besuchen in Rom und bei allen Unternehmungen zählen wir auf sie. Dagegen dürfen Sie für Ihre unnachlässige Großherzigkeit auf die Gebete der Seminaristen und die unseren an den Stufen des Altares zählen.
Möge das Opfer Unseres Herrn Ihre tägliche Hilfe sein! Möge das Unbefleckte Herz Mariens schützende Zuflucht für Sie und Ihre Familien sein. Mit großer Dankbarkeit segne ich Sie.
Am Fest des heiligen Erzengels Michael, dem 29. September 2005
+ Bernard Fellay